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Mehr Almöhis braucht das Land

Almöhis und fesche Madln – Tourismuswerbung und Erwartung

Die Medienrealität spricht von Krise, die Hoteliers stöhnen, die lokalen Raikas noch mehr, denn irgendjemand musste die in den letzten Jahren neu entstandenen Wellness-Tempel schließlich finanzieren.

Auf den Almhütten brummt das Geschäft in der Hochsaison trotzdem, und die Knödel wandern zu Tausenden aus den großen Töpfen in hungrige Mägen. Fesche Madln in Dirndln bringen mehr oder weniger zielstrebig Nachschub an die Tische, und manchmal sitzt ein echter Almöhi still in seiner Ecke und lächelt milde über diesen ganzen Trubel.

Der Gast hat sich redlich den Wandersteig hoch gemüht um diesen Blick auf das echte, einzig wahre, absolut authentische Südtirol zu genießen, und wenn die schweren Teller mit den Knödeln vor ihm platziert werden, riskiert er auch noch einen schnellen verschämten Blick auf offenherzige Vorzüge traditioneller Bekleidung. Wofür er selbstverständlich entweder sofort, sonst eben später, die Rechnung präsentiert bekommt. Nicht die pekuniäre auf der Almhütte, die bekommt er sowieso, sondern die emotionale seiner besseren Hälfte.

Das stets bemühte Landesinstitut für Statistik ASTAT verpackt die gesamte Tourismussituation in perfekte Zahlen und Tabellen. Daraus können wir zum Beispiel lernen dass, ganz vereinfacht ausgedrückt, auf jeden Südtiroler ungefähr 11 Gäste pro Jahr kommen. Jeder Einwohner Südtirols hat also 11 Monate lang sozusagen Hausgäste und dann einen Monat frei.

Um der Erwartungshaltung unserer Gäste entgegenzukommen, benötigen wir also 11 Monate lang möglichst viele romantische und einsame Almhütten, möglichst fesche Madln und für jede Almhütte einen waschechten Almöhi.

Almhütten hätten wir bereits einige und wenn wir mehr brauchen sollten, kein Problem. Die sind ja schnell gebaut. Mit feschen Madln ist Südtirol ohnehin gesegnet, hier sind eben nicht nur die Berge schön.

Aber bei den Almöhis gibt es eindeutig ein dramatisches Defizit. Immer weniger junge Südtiroler entscheiden sich für diese attraktive Karriere, auch die durchschnittliche Bartlänge hat in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend abgenommen. Südtirol verliert bei dieser wichtigen Säule des Tourismus im Vergleich zu den Nachbarländern Österreich und Schweiz immer mehr an Boden. Die langfristigen Folgen sind nicht abzusehen, das echte, einzig wahre, absolut authentische Bild Südtirols in der Welt verliert an Attraktivität.

Es ist höchste Zeit hier gegenzusteuern. Mehr Almöhis braucht das Land!