Die Diskussion um den Flughafen hat sich zu einem gordischen Knoten entwickelt. Jedes Argument, ob von Befürwortern oder von Gegner, scheint die dem Thema zugrundeliegende Thematik ins Abseits zu stellen: Die internationale Anbindung des Wirtschaftsstandortes und der Destination Südtirol. Niemand braucht einen Flugplatz der für die Region an sich nicht wertschöpfend ist und als öffentlich finanzierte Struktur Partikularinteressen befriedigt. Niemand hat aber a priori das Recht den Flugplatz als nichtig zu erklären, denn Südtirol braucht vielleicht nicht unbedingt einen Flugplatz, aber mit Sicherheit eine gute internationale Anbindung.
Wie sich die Situation heute darstellt, so ist ein gut funktionierender Tourismus ein zentraler Wirtschaftsfaktor für das wirtschaftliche Überleben von vielen Provinzen (hier als Gegenpol zum urbanen Raum zu verstehen). Die Ära der industriellen Produktion ist mittlerweile für viele ländliche Gegenden keine wirkliche Alternative und die Errichtung von hunderten Silicon Valleys schon gar nicht. Funktioniert der Tourismus als Werttreiber nicht, sind die dementsprechenden Folgen destabilisierend. Man muss nicht bis nach Korsika oder in andere entlegene Provinzregionen reisen, um sich mit den damit verbundenen Problematiken vertraut zu machen. Bereits in umliegenden alpinen Regionen können die Konsequenzen beobachtet werden: Alterung der Bevölkerung, steigende Arbeitslosenzahlen, spärliche Perspektiven für junge Leute in ihrem Heimatort zu leben und ein Auskommen durch eigene Kraft und nicht auf Basis von Subventionen zu erwirtschaften. Mit Sicherheit ist eine internationale Anbindung nicht Granat für einen wohlstandsbringenden Tourismus, aber vielleicht ein gangbarer Weg. Wer sich einige globalen Entwicklungen vor Augen führt, wird schwerlich Argumente finden, eine gute internationale Anbindung als unwichtig zu brandmarken. Warum? Weil bspw. die nächste Generation zahlungskräftiger Kunden in den großen Metropolen immer mehr auf das eigene Automobil verzichtet und es daher für die Urlaubsreise nach Südtirol als Fortbewegungsmittel gar nicht in Frage kommt. Zudem verschiebt sich der gesamte Reichtum von den etablierten Industrienationen hin zu den sogenanntem Emerging Markets. In diesen Ländern entsteht eine neue Schicht junger kaufkräftiger Menschen die in den nächsten Jahren die Welt erkunden wollen und werden. Heute können wir noch ohne Chinesen, Indern und Brasilianern unsere Gästebetten füllen, aber in 10 Jahren kann sich die Situation radikal verändert haben. Auf diese Veränderung sollten wir vorbereitet sein, mit oder ohne Flughafen. Aber zumindest mit einer klaren Vorstellung, wie wir unseren Wohlstand auch in 15 Jahren absichern und der jungen Generation Perspektiven bieten können. Zuhause und nicht irgendwo.
