Südtirol, Ende 19. Jahrhundert. Zeit der Grand Hotels. Der Tourismus war in seinen Anfängen getragen von einer aristokratischen Oberschicht, zu der vor allem Intellektuelle und Künstler zählten. Doch die Entwicklung des Automobils, steter wirtschaftlicher Aufschwung und das Phänomen Dolomiten welches nach und nach Kultstatus errang trugen gemeinsam und in eben dieser Reihenfolge dazu bei, dass der Tourismus im Laufe der Jahrzehnte zum wesentlichen Wirtschaftszweig und zur wichtigsten Wertschöpfungsquelle Südtirols wurde.
Reisen war kein Privileg mehr. Die Nachfrage nahm zu und das Angebot musste angepasst werden. Die Wünsche der Kunden wurden nämlich spezifischer. Und somit kam es erstmals zu einer touristischen Marktsegmentierung.
Jeder Schuss ein Treffer?
Damit einhergehend war der Begriff ,target group‘ geboren. Ein unschöner Begriff, der im Grunde jedoch ,treffend‘ wiedergibt, worum es geht: Eine ganz bestimmte Typologie eines Gastes steht im Visier (Definition Zielgruppe). Er wird angepeilt (Marketing). Im Optimalfall wird ins Schwarze getroffen: der Gast bucht (Akquise).
Anfangs noch wurden Zielgruppen nach soziodemografischen Merkmalen unterteilt. Als Avantgarde galt aber bald schon die Unterteilung der Typologien in psychografische Merkmale. Vorlieben, Status oder ästhetisches Empfinden wurden plötzlich berücksichtigt.
Die touristischen Angebote wurden spezifiziert – Es schien, als gäbe es für jeden Kunden ein maßgeschneidertes touristisches Produkt. Perfekt. Oder?
Aber: knapp daneben ist auch vorbei
Was sich aber heute an dem Punkt, an welchem sich Angebot und Nachfrage treffen (sollten) finden lässt: Reizüberflutung. Information-Overflow. Chaos. Keine klare Kommunikation. Der Gast weiß nicht, wonach er im Grunde sucht. Der Anbieter weiß nicht mehr wie er sich präsentieren soll und arbeitet nach dem Motto: ich weiß zwar nicht wohin ich will, dafür bin ich aber schneller dort. Was ist schiefgelaufen?
Die Positionierung
Diese sollte doch dazu dienen, in Form von Marketing- und Kommunikationsstrategien klar zu definieren, was das Produkt darstellt und für wen es gedacht ist. Für einen Gastro- oder Beherbergungsbetrieb bedeutet das: eine klare Schiene fahren, um einer ,target group‘ ganz klar zu kommunizieren: ich bin aus den Gründen a, b und c gerade für dich die optimale Lösung.
Sieht man sich aber im Hotelsektor Südtirols um, wird schnell klar: teilweise widersprechen sich die Positionierungen per se!
Hotel y beispielsweise ist ein beliebtes Motorradhotel. Kommuniziert gleichzeitig aber auch, das ideale Hotel für naturverbundene Radfahrer zu sein, einzig aus dem Grund somit mehr Gäste für sich gewinnen zu können. Wie wird es in besagtem Hotel wohl abends an der Hotelbar zugehen..? Wahrscheinlich nicht gerade harmonisch.
Oder kennen Sie das Beispiel des Hotel x? Romantikhotel UND Familienhotel. Aha. Wenn das verliebte Paar also ein Candle-light-dinner genießen möchte kreischen am Nebentisch die Kids der Großfamilie.
Und nun?
,Back to the roots‘ wäre wohl angebracht. Ein Angebot für eine Zielgruppe. Klare Kommunikation. Eindeutige Identität. Umdenken ist angebracht. Denn allgemein gilt wohl wieder: Wer alles ist, ist nichts. Wer seine Stärke bewusst lebt, gewinnt.


(4 Stimmen)
Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Im beschriebenen Beispiel versucht man nicht, die passenden Kunden zum passenden Angebot zu finden oder das vorhandene Angebot für eine bestimmte Kundengruppe attraktiv zu machen, sondern man wählt die Zielgruppen willkürlich aus. Kunden kommen so nicht ein zweites Mal und möglicherweise gibts noch eine schlechte Bewertung bei HRS und Co.
Das hat aber nur am Rande etwas mit Geomarketing zu tun, siehe http://www.marketingfish.de/all/lokales-marketing-punktgenau-werben-im-online-stadtplan-4703/
Auf das oben genannte Beispiel heruntergebrochen, würde Geomarketing vielmehr bedeuten, dass Radfahrer oder Motorradfahrer in Südtirol unterwegs sind und dann anhand des Smartphones und ihrer Position nach dem passenden Hotel in der Nähe suchen. Geomarketing ist zunächst einmal nur ein Weg, Menschen, die sich an einem bestimmten Ort befinden ein lokales Angebot zu unterbreiten. Ob das Angebot dann passend ist, ist dann eine Frage der Marketingstrategie und des Kundenservice.
Ich glaube, viele Hotels versuchen aus einer Not heraus und weil Sie krampfhaft versuchen die Zimmer voll zu bekommen, einfach alle Zielgruppen anzusprechen, die irgendwie in deren Hotel passen könnten.
Letztendlich kommen diese Gäste aber meist nicht wieder, weil sie das ganz schnell spüren.
Ein Beispiel war ja auch die Wellness Welle: jeder der eine Homesauna im Keller hatte, nannte sich plötzlich Wellnesshotel.