Frankreich in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Der gesellschaftspolitische Spielraum wird enger und Herr Descartes zieht nach Holland. In seinen halbwachen Träumen findet der Philosoph zu absolut klaren Gedanken. Diese Gedanken machen ihn berühmt. Rene Descartes hinterließ der Welt sein berühmtes Dictum: Ich denke, also bin ich.
500 Jahre später wird das Netz zum ich. Wer nicht im Netz ist, existiert nicht. Wir googlen nach Personen, Unternehmen, Freunden, Bildern, Fahrplänen, Wechselkursen, Reiseangeboten, Landkarten, Emotionen, Informationen. Wir googlen alles und geben dem Netz dabei eine existenzielle Note. Kürzlich hat mir ein Freund über den tragischen Tod eines Bekannten berichtet. Obwohl gestorben, ist er noch auf Facebook. Das Netz kann auch makaber sein.
Wer präsent sein will, heute und morgen da sein, der ist im Netz oder will ins Netz. Doch das Wollen und Können muss auch machbar sein. Internetpionier Kevin Kelly hat vorausgedacht: theoretisch und technisch kann jeder ins Netz. Ökonomisch auch. Der virtuelle Raum ist unendlich, aber die Aufmerksamkeit ist endlich. Es ist jedoch die Aufmerksamkeit, die zählt, damit das Dictum aufgeht: Ich bin im Web, also bin ich. Oder hat sich Descartes geirrt?

