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IMS Walk 2010 - sentres war dabei

Mit Steve House und Alessandro Gogna auf die Rodenecker Almen

Freitag, 5. November, Forum Brixen, 8 Uhr morgens.

Unauffällig und ruhig stand er da. Steve House strahlt eine gewisse Gleichgültigkeit aus. Positiv in diesem Falle. Er ist das menschgewordene Gegenteil einer offensiven Selbstvermarktung. In der Ruhe liegt die Kraft. Dies trifft ganz sicher auf diesen radikalen Puristen zu, der ausnahmslos im reinen Alpinstil die höchsten Felswände der Welt erklimmt. Für Reinhold Messner ist House der “derzeit beste Höhenbergsteiger der Welt”. Gogna, bekannt geworden wegen seiner über 250 Erstbesteigungen in den Alpen und Apenninen, bleibt ebenfalls recht dezent im Hintergrund der Aufmerksamkeit.

Nach ein paar recht schüchternen Blitzlichtern auf Alex Ploner, seines Zeichens Organisator des International Mountain Summit, House und Gogna, sammelte sich die Wandergruppe im Raum und wartete ungeduldig auf den Aufbruch.
Einige Minuten später fahren wir mit dem Bus über Rodeneck hinauf zum Zumis Parkplatz. Kurze Lagebesprechung und die etwa vierzigköpfige Wandergruppe machte sich auf den Weg zu den Rodenecker Almen. Anfangs durch Wald, später über bereits herbstlich-braune Wiesen gings hinauf zu einer weiten Almlandschaft. Die bunte Wandergruppe unterhält sich, immer wieder wechselte die Bergsteigerprominenz den Gesprächspartner. House erzählt von seinem 2009 erschienen Buch “Beyond the Mountain”, das nun auch im deutscher und italienischer Sprache erhältlich ist und über seinen Bergunfall, bei dem er fast sein Leben verlor. Am 25. März 2010 stürzte er am Mount Temple in den kanadischen Rockies rund 25 Meter ab. Nach schmerzhaften Genesungsmonaten ist er nun wieder auf dem Weg zu seiner “alten” Kondition. Gogna hingegen unterhält sich mit meinem Wander- und Arbeitskollegen über die haarsträubenden Zustände in der italienischen Politik und über einen Ministerpräsidenten, der sich die Zeit mit minderjährigen Prostituierten vertreibt.

Vor uns zeigte sich bald das schneebezuckerte Astjoch mit seinem Gipfel Burgstall. Die letzte Aufstiegsmeter wird es steiler. Die recht übersichtliche Wanderkarawane bewegt sich langsam und genussvoll durch die glitzernde Schneelandschaft hinauf zum Gipelkreuz. Die überraschend warme Novembersonne beleuchtete die umliegende Berglandschaft. Leute unterhielten sich über Bergabenteuer, über Risikosituationen, die oft plötzlich da sind, und über die unvergleichlichen Glücksgefühle, die ein Berg zu bieten hat.
Die Zeit verflog und der Abstieg stand bevor. Den Aufstiegssteig hinunter zur Rodenecker Alm, noch eine Einkehr in der urigen Rastnerhütte und bald schon waren wir wieder am Ausgangsparkplatz, wo uns bereits unser Zubringerbus erwartete. Ein herrlich sonniger Herbstwandertag mit abenteuerlichen Unterhaltungen aus dem Nähkästchen von Leuten, die durch extreme Herausforderungen, viel Ruhe und einem fast unmenschlichen Durchhaltevermögen zu dem geworden sind, was sie heute sind. Spitzenalpinisten.


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