Durch schweren, nassen Nebel steigt die Seilbahnkabine empor. Sie scheint im grauen Nichts zu schweben, von Schwaden sanft getragen. Plötzlich lässt die Bergstation ihre Umrisse erkennen. Ankunft.
Feuchtkalter Wind schlägt mir ins Gesicht. Nieseltröpfchen im Haar. Ich folge dem knirschenden Kiesweg. Regen.
Die Tür steht offen und ich betrete die Stube mit dem dicken Kachelofen. Es duftet nach Holz und Kaffee, nach zimtenen Marillenknödeln. Irgendwie nach Daheim.
So erlebte ich das Vigilius Mountain Resort zum ersten Mal. Und so, oder so ähnlich, könnte auch eine der „vigilius mountain stories“ beginnen. Denn hier, wo die Zeit an Macht verliert, wo die Seele Ballast abwerfen darf und Gedanken frei entschweben können, entsteht Platz und Freiraum für Ideen. Für Geschichten, die der Ort selbst erzählt und Menschenhände niederschreiben. Die Werke von Hotelgästen, Mitarbeitern und bekannten Schriftstellern wurden in einem Buch gesammelt.
Bestsellerautor Herbert Rosendorfer, Literaturpreisträgerin Michaela Schöller und Autorin und Werbetexterin Ulrike Dubis beteiligten sich an diesem Projekt. Ihre Geschichten präsentierten sie am 29. Juli, im Rahmen einer Lesung, im Hotel Vigilius.
Ein gedanklicher Spaziergang. Eine literarische Wanderung. Vorlesestunde mit Wohnzimmerflair. Da schwenkt der dunkle Wein in seinem Glas. Leise rascheln die Seiten. Worte tanzen im Raum.
Heiter ironische Worte, fesselnd spannende Worte, Worte von angenehm sehnsüchtiger Traurigkeit. Eine fundamentaltheologische Abhandlung, eine packend düstere Geschichte, eine Erzählung von berührender, „weißkalter“ Melancholie.
Ich saß in jenem purpurnen Sofa und hing an den Lippen der Vorleser, deren Stimme wiedergab, was ihre Hand einst geschrieben hatte. Mal voller Inbrunst, mal sanft, mal lautstark, mal wispernd. Sprachkünstler. Wortakrobaten.

Schlicht ergreifend!