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Den Winter genießen, solange er noch kalt ist

Das Fahrrad ist die Zukunft der urbanen Fortbewegung. Viele Bozner haben diese simple Tatsache bereits verinnerlicht und benützen ein Pedelec. Also ein Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor. Theoretisch unterstützt ein solches Fortbewegungsmittel die schwindenden biologischen Kräfte des homo urbanus bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 25kmh, vorausgesetzt es wird eine Pedalbewegung zumindest simuliert. Der Vorteil: keine Verkehrssteuer, keine Versicherung, keine Helmpflicht. Und natürlich: keine Mühe, flottes Vorankommen, kein Schwitzen, leichter Transport von Nachwuchs und Einkauf, keine Parkplatzsuche, keine Verkehrsbeschränkungen.

Jede Person auf einem Pedelec handelt also logisch, rational und umweltfreundlich. Die prinzipielle Unmöglichkeit der gleichzeitigen Anwesenheit an verschiedenen Orten ergibt folgerichtig ein Auto weniger auf der Straße für jedes Pedelec. Natürlich nur, sofern eine Berechtigung zum Führen eines Kfz vorliegt und bewusst darauf verzichtet wird.

Unzweifelhaft handelt es sich daher um eine Revolution der urbanen Fortbewegung, und Bozen spielt auf gesamtstaatlicher Ebene eine Vorreiterrolle. Es gibt kaum eine fahrradfreundlichere Stadt als Bozen. Mit Ausnahme von Obstmarkt und Museumsstraße darf und soll überall geradelt werden. Die gesamte Fußgängerzone ist ein Fahrradweg. Und wer nicht gerade in besagter Museumsstraße in abendlicher Dunkelheit ohne Beleuchtung im Renntempo um Passanten herum Slalom fährt, hat von plötzlich auftauchenden Menschen in städtischer Uniform wenig zu befürchten. Kurz gesagt, das perfekte Habitat für Pedelec-Fahrer.

Radler unterwegs

Radler unterwegs

Nun ereignet sich aber, so wie jedes Jahr um diese Zeit, der Winter! Wenn es kalt wird zeigen auch Pedelec-Fahrer Schwächen. Die durchschnittliche Pedelec Dichte im Stadtzentrum nimmt eindeutig ab. Es bleibt genug Raum für einige Gedanken zum Thema.

25kmh Geschwindigkeit, so flott geht es mit Unterstützung eines kraftvollen 250Watt Elektromotors dahin, soweit die Batterie eben reicht. Geschwindigkeit ist relativ, aber wenn der Bezugspunkt langsame Spaziergänger in der Fußgängerzone sind, dann sind 25kmh relativ schnell. Die Geschwindigkeit resultiert daher direkt proportional in Ärger, der Fußgänger nämlich.

Wer sind nun eigentlich diese waghalsigen Pedelec-Piloten, die so voll Elan durch die Menge pflügen? Könnte es sein, dass sich hier zahlreiche Mitbürger auf einem Fortbewegungsmittel austoben, welches sie ohne den Beitrag von Etschwerken, Enel oder Sel nie in Betracht ziehen würden? Positiv ausgedrückt, es genügen anscheinend wenige Kwh um hartnäckige Sofahocker in begeisterte Radler zu verwandeln.

Dies gelingt so offensichtlich und gründlich, dass sich der Normal-Radler immer häufiger fragt, wie mache Pedelec Enthusiasten ihr Gleichgewicht bewahren oder eine Kurve schaffen. Möglicherweise liegt es an der Geschwindigkeit, die stabilisiert bekanntlich. Vielleicht würden sie bei geringerem Tempo einfach umfallen. Der Verdacht, es könnte sich bei einigen stolzen Stromrad-Besitzern um Personen handeln, welche in der Fahrtechnik noch Nachholbedarf haben, scheint nicht ganz unbegründet. Die Unfallhäufigkeit steigt, so erzählen es, inoffiziell selbstverständlich, Gemeindepolizisten. Es wäre sehr bedauerlich, wenn sich irgendwann die Verwaltung gezwungen sähe, restriktivere Maßnahmen zu ergreifen und weite Teile der Innenstadt für Fahrräder zu sperren, wie es in österreichischen Städten oft der Fall ist.

Wäre eventuell ein Fahrkurs für Pedelec-Käufer, am liebsten bereits im Preis inbegriffen, eine Lösung? Sozusagen eine Einführung ins elektrische Verkehrszeitalter für ehemalige Fahrradfahrer auf der Fahrt in eine ökologische Zukunft.

Zusammengefasst:
Pedelecs bringen Menschen aus dem Auto aufs Rad.
Pedelecs bringen Menschen aufs Rad die besser die öffentlichen Verkehrsmittel benützen sollten.
Im Winter gibt es weniger Pedelecs.
Genießen Sie den Winter, solange er noch kalt ist.

1 comment to Den Winter genießen, solange er noch kalt ist

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