Mühsam wurde Buchstabe für Buchstabe niedergeschrieben oder anfänglich sogar niedergemalt. Irgendwann hat es dann geklappt. Das komplette ABC war mit wenigen Handbewegungen auf das Papier gebracht. Korrekt, lesbar, halbwegs gleichmäßig. Persönlich.
Jahre später, nachdem die mechanische Schreibmaschine schon so langsam auf das Abstellgleis der Schreibarbeit abgeschoben wurde, kam die große Schriftrevolution. Der Personalcomputer, der PC, zog in die Haushalte ein. Anfangs noch nicht als ernsthafter Nachfolger der Schreibmaschine gesehen, ging es dann weit schneller als gedacht.
Edle Handwerkszeuge des Schreibens wurden immer mehr zu dekorativen Accessoires des gepflegten Büroumfeldes. Luxuriöse Füller und Markenkugelschreiber wurden nur noch für den souveränen Akt des Unterschreibens genutzt. Dokumente, Schriftstücke, Bücher, Magazine. Alles was als Printprodukt endet, wurde als digitale Datei gefertigt.
Das immer feiner werdende Klappern der Tasten wurde zum alltäglichen Geräusch. Überall. Die Tastatur als Ersatz für Bleistift, Kugelschreiber, Füller.
Die Handschrift als Ausdruck der Persönlichkeit, der Vorstellung von Schönheit. Vollkommen manuell ausgeführt. Keine Schablonen, keine technischen Hilfsmittel über das eigentliche Schreibgerät hinaus. Maximale Kreativität in der Ausführung.
Im Umgang mit der getippten Schrift gilt die Auswahl des passenden Fonts als kreativer, persönlicher Ausdruck der eigenen Vorstellung über die eigenen verfassten Schriftstücke. Fonts sind ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Designs. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen den Marken. Annahme: Alle Marken haben die gleiche Schriftart. Der Verlust der Individualität, der Frische des Auftritts des Produktes in der Werbung wäre riesig.
Inwieweit die Handschrift im täglichen Gebrauch noch wichtig, praktisch oder einfach unersetzbar ist, muss jeder selbst entscheiden. Jedenfalls ist es für mich sehr angenehm zu wissen, dass ich auch ohne Tastatur unter meinen Fingern mit Schriftzeichen kommunizieren kann. Eine Telefonnummer, eine Kurznotiz, ein Hinweis auf einem Zettel, einem Post-it, ein S.O.S. im Sand, falls das Smartphone, der Laptop oder das digitale Notizbuch mal keinen Strom hat, vom Gipfelwind in den Abgrund getragen oder von einer technikhungrigen Welle ins Meer geholt wurde. Kann ja mal passieren.
